Polyneuropathie: Symptome, Ursachen und was wirklich hilft
Kribbeln in den Füßen, taube Zehen, ein Brennen, das nachts schlimmer wird: Polyneuropathie betrifft in Deutschland Millionen Menschen – und wird oft jahrelang nicht erkannt. Dieser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, was im Körper passiert, welche Ursachen dahinterstecken, wie die Diagnose abläuft und was Sie selbst tun können.
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Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Polyneuropathie bezeichnet eine Schädigung mehrerer peripherer Nerven – meist beginnend an beiden Füßen, später an den Händen (sogenanntes Socken- und Handschuh-Muster).
- Häufigste Symptome: Kribbeln, Taubheit, Brennen, Stechen, unsicherer Gang – abends und nachts oft stärker.
- Die häufigsten Ursachen in Deutschland sind Diabetes mellitus und chronischer Alkoholkonsum; dahinter folgen Vitamin-B12-Mangel, Medikamente und Chemotherapie.
- Je früher die Ursache behandelt wird, desto besser die Prognose – bei neu auftretenden Beschwerden zeitnah ärztlich abklären lassen.
- Vitamin B12, Folsäure, Kupfer und Magnesium tragen zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei und können eine ärztliche Behandlung sinnvoll begleiten.
Was ist eine Polyneuropathie?
„Poly“ steht für viele, „Neuro“ für Nerv, „Pathie“ für Erkrankung: Bei einer Polyneuropathie sind viele periphere Nerven gleichzeitig geschädigt. Periphere Nerven sind alle Nervenbahnen außerhalb von Gehirn und Rückenmark – sie versorgen Haut, Muskeln und innere Organe.
Jede Nervenfaser funktioniert wie ein isoliertes Kabel: Innen der Nervenfortsatz (Axon), außen die Isolierschicht (Myelinscheide). Wird die Isolierung dünn oder das Axon geschädigt, kommen Signale verzögert, abgeschwächt oder verfälscht im Gehirn an. Das Gehirn interpretiert diese Fehlsignale als Kribbeln, Brennen oder Taubheit – obwohl an der Haut objektiv nichts passiert.
Betroffen sind zuerst die längsten Nerven des Körpers, weil sie am anfälligsten sind. Deshalb beginnt die Polyneuropathie fast immer an den Zehen und Fußsohlen und breitet sich langsam nach oben aus. Später kommen die Fingerspitzen dazu. Fachleute sprechen vom „Socken-und-Handschuh-Muster“ – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu einem eingeklemmten Nerv, der nur einseitig und in einem klar begrenzten Bereich Beschwerden macht.
Typische Symptome im Überblick
Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend über Monate bis Jahre. Man unterscheidet Reizsymptome (zu viel Empfindung) und Ausfallsymptome (zu wenig Empfindung) – oft treten beide gleichzeitig auf.
| Art | Beschwerden | Wie Betroffene es beschreiben |
|---|---|---|
| Reizsymptome | Kribbeln, Brennen, Stechen, Überempfindlichkeit | „Ameisenlaufen“, „Füße wie in heißem Sand“, „die Bettdecke tut weh“ |
| Ausfallsymptome | Taubheit, pelziges Gefühl, vermindertes Temperaturempfinden | „Ich gehe wie auf Watte“, „ich spüre den Boden nicht mehr“ |
| Motorische Zeichen | Muskelschwäche, Wadenkrämpfe, Gangunsicherheit | „Ich stolpere über Türschwellen“, „im Dunkeln werde ich unsicher“ |
| Vegetative Zeichen | Trockene Haut, veränderte Schweißbildung, Kreislaufschwankungen | „Meine Füße schwitzen gar nicht mehr“ |
Ausführlicher lesen Sie dazu in unserem Beitrag zu typischen Polyneuropathie-Symptomen sowie zu brennenden Füßen und Kribbeln in Beinen und Füßen.
Die häufigsten Ursachen
In etwa jedem fünften Fall lässt sich trotz gründlicher Diagnostik keine eindeutige Ursache finden (idiopathische Polyneuropathie). In allen anderen Fällen dominieren wenige Auslöser:
- Diabetes mellitus: die mit Abstand häufigste Ursache. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die feinen Blutgefäße, die die Nerven versorgen. Details im Beitrag diabetische Neuropathie.
- Chronischer Alkoholkonsum: wirkt doppelt – direkt nervenschädigend und über einen Mangel an B-Vitaminen.
- Vitamin-B12- und Folsäuremangel: besonders relevant bei veganer Ernährung, nach Magenoperationen, bei Autoimmungastritis und bei Langzeiteinnahme von Metformin oder Magensäureblockern. Mehr dazu unter Vitamin B12 und Nerven.
- Medikamente und Chemotherapie: unter anderem Platinverbindungen, Taxane und einige Antibiotika.
- Schilddrüsenunterfunktion und Nierenschwäche
- Entzündliche und autoimmune Formen wie das Guillain-Barré-Syndrom oder die CIDP – hier entwickeln sich Beschwerden oft rascher.
- Erbliche Formen wie die hereditäre motorisch-sensible Neuropathie.
Eine ausführliche Einordnung finden Sie unter Ursachen der Polyneuropathie.
Abgrenzung: Was es sonst noch sein kann
Nicht jedes Kribbeln ist eine Polyneuropathie. Diese Übersicht hilft bei der ersten Einordnung – sie ersetzt keine Diagnose.
| Merkmal | Polyneuropathie | Durchblutungsstörung (pAVK) | Restless-Legs-Syndrom |
|---|---|---|---|
| Seitigkeit | meist beidseits, symmetrisch | häufig einseitig betont | beidseits |
| Auslöser | unabhängig von Belastung | Schmerz beim Gehen, Besserung im Stehen | Ruhe, besonders abends |
| Besserung durch | kaum durch Bewegung beeinflusst | Pause, Beine tief lagern | Aufstehen und Umhergehen |
| Leitsymptom | Kribbeln, Taubheit, Brennen | Wadenschmerz, kalte, blasse Füße | Bewegungsdrang der Beine |
Auch ein Bandscheibenvorfall, ein Karpaltunnelsyndrom oder eine Schilddrüsenstörung können ähnliche Beschwerden machen. Zur Unterscheidung von Nervenschmerz und Ischiasbeschwerden lesen Sie Nervenschmerzen im Bein.
Wie die Diagnose abläuft
- Gespräch (Anamnese): Beginn, Verlauf, Alkohol, Medikamente, Vorerkrankungen, Ernährung.
- Körperliche Untersuchung: Reflexe, Vibrationsempfinden mit der Stimmgabel, Berührungs- und Temperaturempfinden, Muskelkraft, Gangbild.
- Blutuntersuchung: Blutzucker und HbA1c, Vitamin B12 (idealerweise zusätzlich Holo-Transcobalamin und Methylmalonsäure), Folsäure, Leber- und Nierenwerte, Schilddrüsenwerte, Entzündungsparameter.
- Neurologische Messung: Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und Elektromyografie (EMG) zeigen, ob eher die Isolierschicht oder das Axon betroffen ist.
- Ergänzend: Ultraschall der Nerven, in seltenen Fällen Nervenbiopsie oder Untersuchung des Nervenwassers.
Behandlung: die drei Bausteine
1. Ursache behandeln. Das ist der wirksamste Hebel: Blutzucker gut einstellen, Alkohol weglassen, nachgewiesene Nährstoffmängel ausgleichen, nervenschädigende Medikamente prüfen lassen.
2. Beschwerden lindern. Neuropathische Schmerzen sprechen auf klassische Schmerzmittel oft schlecht an. Ärztlich verordnet werden deshalb häufig bestimmte Antidepressiva oder Antikonvulsiva sowie äußerlich anwendbare Capsaicin-Präparate. Die Auswahl gehört in ärztliche Hand.
3. Funktion erhalten. Physiotherapie, Gleichgewichts- und Krafttraining, Fußpflege, geeignetes Schuhwerk und eine nervenfreundliche Nährstoffversorgung. Konkrete Alltagsmaßnahmen finden Sie unter Hausmittel und Alltag.
Nährstoffe und Nervenfunktion
Nerven haben einen hohen Stoffwechselumsatz. Für Aufbau und Erhalt der Myelinscheiden sowie für die Signalweiterleitung braucht der Körper unter anderem:
| Nährstoff | Zugelassene Aussage (EU-Health-Claim) |
|---|---|
| Vitamin B12 | trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei |
| Folsäure | trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei |
| Magnesium | trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und der Muskeln bei |
| Kupfer | trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei |
| Kalium | trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei |
Ergänzend enthält Leonexin® Komplex Uridinmonophosphat (UMP) und Paprikafruchtextrakt. Was dahintersteckt, erklären wir unter UMP und Capsaicin aus Paprika. Alle Bestandteile mit Mengenangaben stehen auf der Seite Inhaltsstoffe.
Alltag: was Betroffene selbst tun können
- Täglich 20 bis 30 Minuten zügig gehen – der wirksamste kostenlose Baustein.
- Balance-Übungen: einbeiniger Stand an der Küchenzeile, 3 × 30 Sekunden pro Seite.
- Füße täglich kontrollieren, auch zwischen den Zehen – gerade bei Diabetes Pflicht.
- Weiche, nahtfreie Baumwollsocken und Schuhe ohne Druckstellen.
- Warme Fußbäder nur mit geprüfter Wassertemperatur (Thermometer, max. 37 °C).
- Alkohol konsequent reduzieren, Rauchstopp.
- Nährstoffversorgung sicherstellen und Blutwerte regelmäßig kontrollieren lassen.¹
Wann Sie sofort ärztlichen Rat brauchen
- Beschwerden, die innerhalb von Tagen deutlich zunehmen
- Muskelschwäche, Lähmungserscheinungen oder Atembeschwerden
- Offene Stellen, Rötungen oder Druckgeschwüre an den Füßen
- Einseitige Beschwerden mit plötzlichem Beginn
- Fieber zusammen mit neu aufgetretenen Missempfindungen
Diese Konstellationen können auf eine entzündliche Form oder eine Infektion hindeuten und gehören umgehend abgeklärt.
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Häufige Fragen
Quellen
- [1]Deutsche Gesellschaft für Neurologie: S1-Leitlinie „Diagnostik bei Polyneuropathien“ (AWMF)
- [2]EU-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 – zugelassene gesundheitsbezogene Angaben (EU-Health-Claims-Register)
- [3]Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr
- [4]Robert Koch-Institut: Gesundheitsberichterstattung Diabetes mellitus
Letzte redaktionelle Prüfung der Quellen: August 2026.
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- Beipackzettel & NährwerteZutaten, Nährwerttabelle, Verzehrempfehlung und Lagerung.
¹ Vitamin B12, Folsäure, Kupfer und Magnesium tragen zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Leonexin® Komplex ist ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung, eine gesunde Lebensweise oder eine ärztliche Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte ärztlichen Rat einholen. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.